1. Reise 01.04.2000 - 01.06.2000
Südamerika Anden

Klicken Sie um eine Flash-Animation der Reise zu sehen.
 
Klicken Sie auf die Grafik um eine Flash-Animation der Wegstrecke zu sehen

Reiseroute
Reisebilder
Reisebeschreibung

Reiseroute ca. 8.000 km

Santiago de Chile – Casablanca – Valparaiso – La Serena – Copiapo – Antofagasta – zurück über Nebenstraßen nach Los Andes – Mendoza (Arg.) – San Luis - Mercedes – Cordobar – Rio Cuarto – Villa Maria – Santa Fe – Rosario - Buenos Aires – La Plata – Colonia (Urg.) – Montevideo – Rocha – Paysandu – Colonia – Buenos Aires

Bilder von der Reise

Hier gibt es einige Bilder von meiner Reise

Reisebeschreibung

Ich bin am 02.April 2000 in Santiago de Chile um 12:00 Uhr mittags gelandet. An der Zollkontrolle habe ich mein Fahrrad mit meinem Gepäck entgegen genommen, meine 4 Taschen am Fahrrad befestigt, und da ich in Frankfurt die Luft aus den Reifen lassen musste, wollte ich sie aufpumpen. Da stellte ich fest, dass man meine Luftpumpe gestohlen hatte, so dass ich zur nächsten Tankstelle schieben musste. In Santiago bin ich 2 Tage geblieben. Überall bekam ich zu hören: " Was? Mit diesem Fahrrad bist du on Tour?" Es hat nur 245,- DM gekostet, ist  etwas umgebaut, und wie sich später herausstellte, bin ich damit über 50.000 km  gefahren. Von Santiago ging es nach Valparaiso, eine Hafenstadt am Pazifischen Ozean. Ich fuhr Richtung Norden nach Antofagasta und wollte den Pass <Portezuelo de Socompa (3.860m)> nach Salta überqueren.  Aber da es schon Ende April war und es schon kalt wurde,  wurde mir abgeraten die Anden dort zu überqueren. Also fuhr ich zurück nach Los Andes über den Paso Bermejo (3.863 Km), vorbei am höchsten Gipfel Amerikas <Aconcagua 6.959m>, an der Natursteinbrücke Punte del Inca vorbei nach Mendoza. Wer nun glaubt, es geht schön bergab und man kann schön radeln, hat sich gewaltig getäuscht. Der Gegenwind war manchmal so stark, dass ich abgestiegen bin und mein Fahrrad bergab schieben musste. Über San Luis bin ich nach Cordoba, Santa Fe, Rosario nach Buenos Aires gefahren. Hier konnte ich das erste Mal Geld wechseln, keine Bank hat mir American Reise Checks eingelöst. In La Plata habe ich eine Familie kennen gelernt, bei der ich 1 Woche wohnte. Da ich noch 14 Tage Zeit hatte, habe ich nach Uruguay mit einem Boot übergesetzt und bin nach Montevideo gefahren, einfach traumhaft! Da am 1. Juni mein Flugzeug von Buenos Aires abflog, musste ich mich sputen um rechzeitig am Flughafen zu sein. Morgens von Colon nach Buenos Aires um 4 Uhr übergesetzt war ich pünktlich um 12:00 Uhr am Flughafen. Wer den Verkehr in der Hauptstadt kennt und ich mit dem Fahrrad, der kennt die Leistung! 10 Spuren und als Radfahrer ist man nichts. Aber ich habe meine erste Reise von 6.500 Km gut und gesund überstanden.

Grenzüberschreitung Chile – Argentinien über den Paso Bermejo.

In drei Tagen über die Anden?

Start in Valparaiso Richtung Los Andes 120 km – Paso Bermejo 189 km – Argentinien, Punta de Vacas 221 km – Uspallata 279 km – Mendoza 380 Km.

In Valparaiso habe ich am Strand geschlafen, wo ich dann morgens um 05:00 Uhr aufgestanden bin, es sah nach Regen aus. Am Hafen sind die Fischer vom Meer zurück gekommen und ich habe in einer kleinen Kneipe sehr gut gefrühstückt. Fisch frisch vom Meer, wann gibt es schon so etwas und vor allem waren die Leute sehr freundlich und nett. Aber Geld hatte ich immer noch nicht. Keiner wechselt Traveller Checks auch keine Chilenische Bank hat Dollar Noten gewechselt. Also fuhr ich weiter in Richtung Los Andes. Es ging leicht bergauf, denn die Stadt liegt 800 m über dem Meeresspiegel. Am Mittag fing es an zu regnen und an der Pan Amerika habe ich eine Hütte gefunden und konnte hier übernachten. Am nächsten Morgen war wieder schönes Wetter und ich fuhr nach Los Andes, wo ich versuchte in einer Bank Geld zu wechseln, aber ich hörte immer: No cambio. Da ich noch 100,- $ hatte, konnte ich an einer Tankstelle etwas wechseln und etwas einkaufen. Heute war Karfreitag und ich hatte beschlossen in einer Felsnische zu übernachten. Ich war gerade am Einschlafen und es fing an zu regnen, da kam ein junges Mädchen mit Ihrem Vater, die mich in Ihr Haus eingeladen haben. Sie haben gesagt, es ist Ostern und das Wetter wird schlecht und es soll noch lange regen geben. Ich bin 2 Tage bei Anyela Urtubia geblieben, es war sehr schön und ich konnte mein Spanisch verbessern. Nach Ostern wurde das Wetter wieder besser und ich konnte nun in die Anden fahren. Was heißt fahren, ich musste ja von 800 m bis auf Passhöhe 3.200 m hoch, also das Meiste des Weges schieben. In Los Andes zeigte die Quecksilbersäule 25 Grad und oben sollte es nachts minus 10 Grad sein. Nach 35 Kilometern, die noch recht eben verlaufen waren, begannen die ersten hochprozentigen Steigungen. Die Augen waren starr auf das Vorderrad und die Meter Asphalt davor gerichtet. Bloß nicht zu weit vorausschauen. Man könnte glatt Angst bekommen, wie hoch oben man manchmal die Straße sieht. Plötzlich endete das Tal. Nach links schauend sah ich die ersten 20 Spitzkehren von 34 Kurven, die sich steil einen Hang hinauf winden. Rechts war eine kleine Raststätte und der Besitzer erzählte mir, dass hier schon viele Weltenbummler mit Motorrad oder Fahrrad bei ihm eine Pause eingelegt haben, was ich im Tagebuch nachlesen konnte. Auch ich habe mich eingetragen: Datum 28.04.2000 10:00 h. Eine Kleinigkeit gegessen und los ging es. Jede der Kurven hat ein kleines gelbes Nummerschild, Bei <Kurva 0> dachte ich mit wenig Entzücken an die Kommenden. Gegen Abend war ich an Schild Nr. 28 angekommen und die Sonne hat sich hinter den Bergen verzogen und es wurde merklich kühler und ich beschloss hier zu übernachten. Abseits der Straße fand ich einen Platz unter einer Felsnische und habe bis am anderen Morgen um 8 Uhr geschlafen, das Wetter war schön, so langsam kam die Sonne über die Berge zu Vorschein. Da überall noch Schnee lag, hatte ich auch genug Schmelzwasser und konnte meinen Wasser-Vorrat auffüllen. Ich habe mir einen Kaffee gekocht, etwas Warmes angezogen und sagte mir, es sind ja nur noch 6 Kurven. Ein Auto ist mit 5 jungen Chilenen vorbeigefahren und sie haben mir ein Kissen geschenkt, wo der Name Ihrer Uni eingestickt ist, und das ich noch heute in meiner Wohnung habe. Aber von wegen 6 Kurven, das kann nicht weit sein, meinte ich. Doch es kam anders: Curva30: Ich sah den Verlauf der Straße, die sich weit in einem großen Schneefeld windet und ein Schneeräumer war im Einsatz und noch immer kein Ende in Sicht. Drei Stunden später hatte ich auch die Nummer 34 hinter mir und sah endlich das Zollgebäude der Chilenen (Portillo). Die Zoll-Abfertigung hat über 2 Stunden gedauert. Als ich endlich draußen war, setzte die Dämmerung bereits ein. Ich sah auf die sich schier endlos in die Höhe windende Straße. Oh Mann! Meine körperlichen Reserven waren fast erschöpft, nur noch die Aussichten auf ein warmes Essen und auf meinen Schlafsack trieben mich voran. Plötzlich sah ich den neu gebauten Bermejo-Tunnel. Rechts davon ist der alte, wo früher die Eisenbahn (die nicht mehr fährt) einzeln durchgefahren wurde. Aus einem Gebäude der Carabineros. Angeblich achten sie genauestens darauf, dass kein Radfahrer in den Tunnel eindringt, aber ich wollte es trotzdem versuchen. Es ging leicht bergab und ich hoffte, dass ich nicht gesehen wurde. Die Polizisten kamen herausgestürmt und stoppten mich. „Ich dürfte hier auf keinen Fall durchfahren!“ machten sie mir klar und wollten mich auf einen Kleinlaster verfrachten. Ich sagte, ich wollte die alte Passstrasse hoch zum eigentlichen Bermejo Pass. Trotz Warnung vor illegalem Grenzübergang habe ich es gewagt. Die Grenzstation liegt auf 3 200 m und ich musste auf 3.200 m hoch. Vor mir lag eine Schotterpiste und überall lagen Gesteinsbrocken herum. Bomben, die man bei einem früheren Grenzkonflikt hier abgeworfen hatte und die Krater in die Straße gerissen haben. Ein Auto ist schon seit 20 Jahre nicht mehr gefahren.  An einigen Stellen ist die Straße fast vollständig verschüttet und ich aus dem Sattel und mein Fahrrad getragen; zwar nur kurze Strecken, aber jedes Mal die Taschen abmachen, das kostet aber Zeit und da es kalt ist, sind Handschuhe und lange Unterhosen sowie gefütterte Jacke Pflicht. Ein Schauer fuhr mir durch die Glieder, der 3 854 m hohe Paso de la Cumbre war erreicht. Und dann sah ich auch den höchsten Berg Amerikas. In 15 km Entfernung thronte das majestätische Massiv. Ich sah ihn schon beim Anfliegen auf Santiago de Chile 6.959 m hoch. Vor den Felswänden schwebten Kondore, die leider nur als kleine Punkte erkennbar waren, man sagte mir, dass die Vögel bis über 6.000 m hoch fliegen können. Nun ging es bergab auf einer 8 km langen Schotterpiste nach las Cuevas, die erste Ortschaft in Argentinien, auf 3.150 m Höhe, wo auch die moderne argentinische Grenzstation steht. Dort bekam ich meine Stempel in meinen Pass und war nun bürokratisch gesehen in Argentinien. Ab heute begleitete mich ein kleiner plätschernder Fluss, der Rio Mendoza. Er hat auch das Naturwunder <Puente del Inca> 2.700 m geschaffen. Das ist eine 28 m breite Naturbrücke, die in allen denkbaren Gelben-Ocker-Rost-Tönen schillert und schon von den Inkas benutzt worden ist. Heute gibt es glücklicherweise eine andere Brücke und nur Touristen laufen über das in allen Orangetönen leuchtende Gestein. Aber jeder wollte mich fotografieren und so bin ich auch schnell weiter gefahren. Ich radelte durch die landschaftlich schönste Region seit meiner Ankunft. Die wie mit Zuckerguss verzierten 5.000er um mich herum waren grandios. Ich fuhr eine sehr gute und breite ausgebaute Strasse bergab Richtung Uspallata 1.800 m. Es war sehr kalt und ich hatte starken Gegenwind. In Uspallata habe ich mich entschlossen über Villavicencio zu fahren. Im Allgemeinen wird diese Strecke als gesperrt bezeichnet, was Fahrradfahrer nicht zu ernst nehmen müssen. Bis zum 1.700 m hoch gelegenen Mineral Wasser Ort Villavicencio. Die ersten 10 von 22 Kilometer waren asphaltiert. Zum Paso Cruz de Paramillo 3.200 nur Schotterpiste und 360 Serpentinen, die berüchtigte <Gewindestrecke>. Der atemberaubende Ausblick und die schmale holperige Piste mit den engen Haarnadelkurven sind nichts für schwache Nerven. Dann war es auf asphaltierter Straße Richtung Mendoza schön zu fahren da kaum Autos. 80 km vor Mendoza machte ich einen Tag Pause und suchte mir einen schönen Zeltplatz. Während die Nudeln vor sich hinköchelten, blickte ich zurück nach Westen, wo eben die letzten Strahlen der Sonne verschwanden. Dort ragten die Anden auf. Mächtig hoch sahen sie aus. Noch gestern abend war ich mitten drin, und vor 5 Tagen habe ich das alles von der anderen Seite gesehen ich konnte es kaum glauben. Ich bin auch ein wenig stolz auf das Geleistete und sage: nichts ist unmöglich, wenn der Wille da ist. So sage ich stolz: ich erlebe nun meinen Jugendtraum, wo andere nur davon träumen.

Fortsetzung folgt...

 

1. Reise 2. Reise 3. Reise 4. Reise 5. Reise


Copyright © Dodo's Fahrrad-Abenteuer
Stand: 02. September 2004